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Reisen

SERBIEN RÜCKBLICK

Niš - Serbia - Home

Ich verlasse Serbien mit vielen unterschiedlichen Eindrücken im Gepäck, teils wunderschönen und andererseits wirklich erschreckenden.
Zusammen mit meinem Freund Nico, bin ich für 4 Tage nach Serbien geflogen, um dort seine Familie zu besuchen und das Land kennen zu lernen.
Für mich war es das erste Mal.

Serbien ist ein Land voller Schönheit, seine Natur ist unverwechselbar, das Essen ein Traum und die Menschen sehr gastfreundlich.
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Niš-Serbia- Travel Diary- 35mm
Eins kann ich euch definitiv sagen, meine Jogginghose habe ich für den Rückflug nicht nur aus Bequemlichkeits-Gründen an, nach dem ganzen Essen drückt die Jeans doch an einigen Stellen!

Doch so schön die Zeit auch war, ich bin einfach nur schockiert.
Der Krieg in Serbien ist nur rund 20 Jahre her. Viele Gebäude sind immer noch zerstört, Geld fehlt an jeder Ecke.
Filmphotography-analog-serbia-market-mashamedusaDie Privathäuser sind meist nicht einmal verputzt, einfach unfertig und rund herum sieht es wüst aus.
Nico hat mir erklärt, dass die serbischen Familien, so oft es geht, Geld zur Seite legen, um weiter an ihren Häusern zu bauen. Ihr ganzes Leben lang wird gewerkelt, mehr oder weniger erfolgreich…
Filmphotography-analog-serbia-market-mashamedusaAußerdem erfuhr ich während meiner Zeit vor Ort, dass hier ein guter Stundenlohn rund 100Dinar /Stunde ist, das entspricht nicht einmal 1€.
Nun ist meine Frage, wie sollen Menschen von diesem Hungerslohn wieder ein „normales“ Leben führen können, geschweige denn ihre Wohnungen wieder auf Vordermann bringen?
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SERBIEN-BLOGPOST-PIROT
AR_Freitagsküche_@nicolarehbein-15
Wie ihr euch wahrscheinlich unschwer vorstellen könnt, ist diese Armut ein gefundenes Fressen für große Firmen.
In Niš (dort haben wir 2 Tage gewohnt), produzieren Zara und Dolce & Gabbana.
In Pirot, dem ersten Stop unserer Route hat sich ein großes Unternehmen breit gemacht -Michelin kaufte 2008 die Firma Tigar Tyres für satte 47 Mio. $ auf. Seit dem ist die Firma einer der wenigen Arbeitsgeber vor Ort.ew-tigar-tyres-3

Ohne diese Firmen würde dort wahrscheinlich noch weniger funktionieren, doch unter welchen unmenschlichen Umständen dort gearbeitet wird ist einfach nur traurig.

Billiger als China, ja das ist Serbien – Und genau deshalb hat das ach so nette Michelin Männchen auch einige Menschenleben auf dem Gewissen.Michelin Serbia
Viele der ehemaligen Mitarbeiter der Firma, sind an den Folgen ihrer schweren Arbeit verstorben, Asthma Anfälle durch die schlechte Luft vor Ort, Abgase, giftige Dämpfe – keinerlei Schutz.
Es gibt weder Sicherheitsvorkehrungen, keine geregelten Arbeitszeiten, keinen bezahlten Urlaub oder Rücksicht auf Krankheitsfälle.

Ein Arbeiter kann sich nicht beschweren, oder wie hier in Deutschland einfach den Job wechseln, denn die Industrie in Pirot ist tot.
Filmphotography-analog-serbia-mashamedusa
Ich habe übrigens sehr lange darüber nach gedacht, ob ich diese Fotos im Blogpost teilen soll und bin gespannt welche Meinung ihr teilt.
Eines Mittags liefen Nicola und ich durch die Straßen von Niš, als uns ein Schuhputzer ansprach, ob er unsere Schuhe reinigen dürfe. Ein total netter Mann, der uns erzählte: “Dass er das jeden Tag tue und damit seine ganze Familie ernähre.”
In mir machte sich ein komisches Gefühl breit, meine Raf Simons, die eigentlich ein kleines Vermögen kosten(ca. 400€ – ich habe nur 47€ dafür gezahlt), standen auf seinem Holzblock und wurden für ein 2€ sauber gemacht.
Meine Schuhe kosten normalerweise mehr, als dieser Mann wahrscheinlich im ganzen Monat verdient.
Bin ich ein schlechter Mensch ihn diese Arbeit verrichten zu lassen?
rafsimons-serbia-hypebeast
Mich über ihm zu positionieren und meine Schuhe säubern zu lassen?
Nein! Das bin ich nicht.
Dieser Mann, war glücklich sich mit uns zu unterhalten und machte seine Arbeit mit einer riesigen Hingabe. Wir hielten Schwätzchen und erzählten von Gott und der Welt.
Wieso sollte mir das unangenehm sein, mir ist es schließlich auch nicht unangenehm mir eine Zeitung am Kiosk zu kaufen?
Dieser Mann arbeitet! Er sitzt bei Wind und Wetter in der Stadt und ist abhängig von seinen Kunden.
Schuhputzer ist definitiv ein harter Job jedoch finde ich ihn keines Wegs erniedrigend.
In Deutschland schämen sich Menschen diesen Job auszuführen, geschweige denn ihre Schuhe putzen zu lassen, ich frage mich wieso?
Masha Meudsa- Serbia - Blogpost
Neben all meinen Momenten in denen ich über meine Lebenseinstellung gegrübelt habe, habe ich natürlich auch super schöne Sachen erlebt:
Ich bin total überrascht über die Freude am Leben und die Art Probleme in Serbien zu bewältigen.
Obwohl die Menschen dort wenig haben, geben sie sehr viel.

Ich habe lange nicht mehr so eine Gastfreundlichkeit erfahren.

Es ist schön zu wissen, dass dort noch viel selbst produziert wird.
Säfte werden aus frischem Obst gepresst oder zu Sirup verarbeitet, selbst angebautes Gemüse wird verzehrt, auch frisches Brot wird zu Hause im Ofen gebacken.
Hier schmeckt man noch Tomaten, Paprika und co. Alles ist frisch und wurde nicht chemisch behandelt.
Supermärkte gibt es zwar, aber die meisten Einheimischen kaufen auf dem Markt oder produzieren selbst.
Filmphotography-analog-serbia-market-mashamedusa
Filmphotography-analog-serbia-market-mashamedusaDas finde ich sehr inspirierend und bin der Meinung wir alle sollten uns eine Scheibe davon abschneiden. Muss alles super billig sein und in großen Märkten gekauft werden?
Brauchen wir im Winter frische Erdbeeren und tropische Früchte?
Meine Paprika hat eine Delle und sieht nicht mehr ganz frisch aus… Muss ich sie direkt wegwerfen?

Filmphotography-analog-serbia-market-mashamedusa
Vielleicht bringt mein Post ja den ein oder anderen von euch zum nachdenken, ich für meinen Teil, versuche meine Art des Lebens, die zugegebenermaßen oft sehr verschwenderisch ist, etwas zu überarbeiten.
Und wer weiß vielleicht fange ich ja auch im Frühling an mir selbst etwas anzupflanzen.
Let’s see 🙂
HUSKY-DOG-SERBIA-MASHAMEDUSA
Die Momente die mein Herz am meisten berührten waren meine Begegnungen mit Straßenhunden und Arthur unserem Nachbars Hund.
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Tiere sind dort einfach ein Nutzen in der Gesellschaft, man hat einen Hund der auf Heim und Hof aufpasst, aber kein Kuscheltier das auf der Couch liegen darf.
Es gibt sehr viele Streuner und wer mich kennt, der weiß, dass ich der größte Tierfreund der Welt bin.
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Ich habe mir im nächstbesten Kiosk Plazma Kekse gekauft und dafür sogar ein paar Brocken Serbisch gelernt.
“Imate li Keks?”  Mein erster Satz, um mich mit Butterkeksen für die Strassenhunde auszustatten.
So machte ich mir einige Freunde und hätte am Liebsten jeden einzelnen mit mir nach Hause genommen.
Serbia-Streetdog-Masha-MedusaSerbia-blopost-streetdogs
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Für mich war die Situation der Tiere vor Ort herzzerreißend und ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht ganz wie ich damit umgehen soll. Mir wurde aber erzählt, dass es inzwischen viel weniger Straßenhunde in Serbien gibt und sogar Tierheime eröffnet haben.
Sprich die Hunde werden nicht mehr wie früher eingefangen und getötet, sondern finden im besten Fall ein neues zu Hause.
Filmphotography-analog-serbia-nature-roadtrip-mashamedusa
Wisst ihr was ich abschließend sagen möchte?
Serbien ist ein Land was man in seinem Leben mindestens einmal gesehen haben sollte.
Die Natur, Kultur und Mentalität der Menschen sind absolut sehenswert!
Und gerade für junge Leute die kein großes Reisebudget haben ist das Land einen Abstecher wert.
Für zusammen 30€ fliegt ihr hin und zurück und die Kosten für Speisen/Getränke/Hotels etc. vor Ort sind super günstig.
Noch dazu unterstützt ihr die Wirtschaft in einem Land dem es gerade (nett ausgedrückt) bescheiden geht.

Ich muss schon sagen, teilweise ist Serbien wirklich schräg und verleitet definitiv zum nach-/umdenken.
Wahrscheinlich jeder von euch, hat ein warmes Heim, jeden Tag essen und ausreichend Geld zum Leben.
Wir alle, hier in Deutschland, haben großes Glück und einen riesen Luxus der nicht für jeden selbstverständlich ist.
Serbia-35mm photography

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4 Comments

  • Reply
    Stina Netzband
    November 6, 2017 at 6:16 pm

    Mich hat dein Artikel wirklich zum nachdenken aneregt . Ich find es gut , dass du auch ernste Themen in deinem Blog ansprichst , und nicht die Welt als „Friede-Freude-Eierkuchen“ siehst , ernsthafte Probleme gehen im Internet meist verloren , was wirklich schade ist …
    Ich finde , dass dein Blog einfach mega super ist , du hast eine hammer Style , und schreibt super Beiträge , obwohl ich dich erst vor zwei Stunden entdeckt habe , hast du mich schon jetzt dazu gebracht , dass ich , wenn ich erwachsen bin , auch einen Blog starten möchte .
    Lg Stina
    Insta: stina.ntz

    • Reply
      masha
      November 24, 2017 at 9:35 pm

      Liebe Sina,
      ich habe erst jetzt deinen Eintrag entdeckt und möchte mich für dein liebes Feedback bedanken <3
      Nach langem Nachdenken, über was ich auf meinem Blog berichten möchte, kam ich auf die Idee auch über meine Reisen zu sprechen.
      Nicht nur im Guten, sondern einfach auch auf gesellschaftliche Dinge bezogen.
      Mir liegt es am Herzen ehrlich zu sein und nicht nur wie viele andere über eine Scheinwelt zu berichten in der immer alles wunderschön ist.

      Ich freue mich wirklich sehr, dass das so gut ankommt. 🙂
      Vielleicht kann ich dich ja wirklich zu einem Blog inspirieren, also mich würde es freuen <3

      xx
      Masha

  • Reply
    Rosa
    November 6, 2017 at 10:07 pm

    Das hast Du wirklich schön geschrieben, liebe Masha.
    Das ist genau der Grund, warum ich die Heimat meiner beiden Eltern liebe: Die Menschen haben nichts und sind teilweise glücklicher oder genauso glücklich wie viele hier, die alles haben.
    Freut mich sehr, dass es Dir so gefallen hat!
    Pozdrav an Nico 🙂
    Rosa

    • Reply
      masha
      November 24, 2017 at 9:36 pm

      Da hast du absolut Recht und genau das hat mich einfach verzaubert, ich hoffe das war nicht mein letztes Mal in Serbien. <3

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